Aktienkurse verstehen


Aktienkurse bilden zu jedem beliebigen Zeitpunkt die Summe der Erwartungen aller Marktteilnehmer im Hinblick auf etwaige Wertentwicklungen des Unternehmens ab. Der Aktienkurs repräsentiert hierbei das Gleichgewicht zwischen den Hoffnungen und Profiterwartungen der einen und der Sorge vor Verlusten der anderen Seite. Allgemein lässt sich sagen, dass Anleger dazu tendieren, mehr in Aktien zu investieren, bei denen die Annahme zu Wertsteigerung besteht. Aktien, deren Prognosen eher unbeständig sind oder die von Unternehmen mit ungewissen Aussichten stammen, werden hierbei weniger stark favorisiert.

Für Anleger ist es von entscheidender Bedeutung, zu verstehen, welchen Faktoren die Märkte beeinflussen und wie sich die Märkte über verschiedene Zeiträume verändern.

Eine Vielzahl von Faktoren kann die Markthaltung gegenüber einem Unternehmen positiv wie auch negativ beeinflussen.

Wachstumsaussichten

Der primäre Maßstab für die Bewertung eines Unternehmens ist sein Potential zur Gewinnsteigerung und somit der Erhöhung seiner Dividende. Es existiert eine Reihe von Maßnahmen, wie ein Unternehmen seine Erträge über einen Zeitraum steigern kann.
Organisches Wachstum
Ein Unternehmen kann aus eigener Kraft wachsen, indem es zum Beispiel neue Märkte betritt, Partnerschaften und Joint Ventures abschließt, neue Kunden und Aufträge gewinnt, das Sortiment erweitert, Produktinnovationen forciert oder seine Marketing- und Vertriebsstrategie optimiert.
Preissteigerungen
Während ökonomischer Wachstumsphasen können es sich Unternehmen aufgrund gesteigerter Marktphase zuweilen erlauben, ihre Preise zu erhöhen. Dies trifft insbesondere auf Rohstoffproduzenten zu, wenn sich die Märkte im Aufschwung befinden.
Kostenoptimierung
Ein Unternehmen kann seine Profitabilität auch dadurch steigern, indem es seine Kostenbasis senkt. Um das Einsparungspotential zu erfassen, analysiert das Management alle relevanten Unternehmensprozesse, angefangen von der Produktentwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb und der Verwaltung. Wie gut ein Unternehmen seine Kosten im Griff hat, darüber gibt unter anderem die operative Gewinnmarge (Gewinn in Prozent des Umsatzes) Auskunft.

Das Risiko von Fehleinschätzungen

Als Folge der Unternehmensanalyse bildet sich am Markt eine Konsenserwartung über die zukünftige Umsatz- und Gewinnentwicklung eines Unternehmens heraus. Wird diese Marktmeinung übertroffen, spricht man von einer positiven Überraschung und der Aktienkurs legt in der Regel zu. Bleibt das Unternehmen jedoch hinter den Erwartungen zurück, wird der Markt enttäuscht reagieren und der Aktie drohen Kursverluste. Die Ursachen für solche negativen Überraschungen können vielfältig sein. Risikobereiche sind unter anderem:
Operative Risiken
Eine Verschlechterung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds, ein sich verschärfender Wettbewerb durch neue Konkurrenten, steigende Rohstoffpreise, steigende Produktionskosten, Fehlinvestitionen, Ausfall von Produktionsanlagen, Verlust von Aufträgen und Kunden, Produktflops oder Machtkämpfe im Management – all das kann sich negativ auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens auswirken und im Extremfall sogar eine existenzielle Krise auslösen.

Politische Risiken
Die politischen Rahmenbedingungen variieren von Land zu Land. Unternehmen tragen dabei das Risiko, dass zum Beispiel die Unternehmenssteuern erhöht werden oder sich neue Gesetze oder Verordnungen oder auch Verstaatlichungen negativ auf das Geschäftsmodell auswirken können.
Rechtliche Risiken
Diese Gefahr bezieht sich auf die Möglichkeit, dass ein Unternehmen von Kunden oder Wettbewerbern verklagt wird bis hin zu Verfügungen, die wirtschaftlichen Aktivitäten einzuschränken. Ursache für solche Schadenersatzprozesse können zum Beispiel fehlerhafte oder gefährliche Produkte sein oder es wurden Patent- beziehungsweise Urheberrechte verletzt.
Währungsrisiken
Für international tätige Unternehmen, können Wechselkursschwankungen gravierenden Einfluss auf die Gewinne oder die Kostenstruktur haben. Dazu ein Beispiel: Ein Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar verteuert Exportgüter aus dem Euroraum in den US-Markt und verschlechtert damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporteure.
Insolvenzrisiken
Ein hoher Verschuldungsgrad oder eine knapp Liquidität können zur Überschuldung (Eigenkapital ist aufgezehrt) oder Zahlungsunfähigkeit (Zahlungsverpflichtungen kann nicht nachgekommen werden) eines Unternehmens führen. In beiden Fällen müsste ein Unternehmen nach deutschem Recht Insolvenz anmelden.

Dividenden

Dividenden können große Auswirkungen auf die Stimmung im Markt haben. Während die Ertragskraft eines Unternehmens anhand betriebswirtschaftlicher Parameter möglichst genau beleuchtet wird, stellt eine Dividende die tatsächliche Gewinnausschüttung eines Unternehmens an seine Anteilseigner dar. Durch die Stagnation vieler Aktienmärkte in den vergangenen Jahren, hat sich die Dividende zudem zu einem bedeutenden Einflussfaktor hinsichtlich der Erwartungen seitens der Anleger in Bezug auf etwaige Gewinne entwickelt.
Einige Anleger vertrauen auf die Aussagekraft der Dividende, da Unternehmen, die ihre Dividende senken oder keine ausschütten, eine Abwertung ihrer Aktie durch die Marktteilnehmer erfahren. Bei der Aussetzung einer Dividende kommt es zudem zum Verlust von institutionellen Anlegern, da diese oftmals beauftragt sind, nur Aktienwerte mit Dividendenausschüttung zu halten. Die Dividendenhöhe wird von einem Unternehmen daher gemäß seiner Zuversicht, dieses Versprechen auch einlösen zu können, bestimmt.
Eine Veränderung der Dividende spiegelt in starkem Maße die Erwartungshaltung der Unternehmensführung im Hinblick auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung wider. Eine Dividendenerhöhung ist ein Indikator für gesteigerte Zuversicht. Die Herabsetzung einer Dividende hingegen wird als Zeichen für unternehmerische Schwierigkeiten gesehen.
Eine wichtiger Hinweis für Anleger im Zusammenhang mit Dividenden: Die Dividende wird immer einen Tag nach der Hauptversammlung ausgeschüttet. Sind Sie im Besitz eines Aktien-CFDs auf ein Unternehmen, welches an diesem Tag die Dividende ausschüttet, bekommen Sie eine Gutschrift. Die Aktie wird dann „ex Dividende“ gehandelt und eröffnet an diesem Tag in der Regel mit einem Abschlag in Höhe der ausgezahlten Dividende.

Geschäftsberichte

Eine wichtige Informationsquelle für Anleger stellen die Zwischen- und Geschäftsberichte eines Unternehmens dar. Hier sind alle relevanten Bilanzdaten aufgelistet und vom Management kommentiert. Hinzu kommt ein Ausblick, in dem die Unternehmensführung ihre Gewinn- und Umsatzerwartungen formuliert.

Geschäftsberichte erfahren große Aufmerksamkeit seitens der Anleger. Zum einen wird die Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen zumeist einige Wochen oder Monate vorher angekündigt, so dass Investoren und die Medien sich Ihre Meinung zu den potentiellen Ergebnissen bilden. Darüber hinaus geben auch Analysten ihre Einschätzungen hierzu ab. Deren Konsensschätzungen werden dann bereits in die Kurse eingepreist. Aufgrund dieser Aufmerksamkeit ist das Anlegerverhalten im Umfeld eines Geschäftsberichts weniger durch die eigentlichen zu erwartenden Unternehmensgewinne, sondern durch die Summe aller Einschätzungen der Anleger geprägt.

Am Tag der Bekanntgabe entscheidet sich dann, ob die Aktiengesellschaft mit ihren Umsatz- und Gewinnzahlen und dem Ausblick die Erwartungen des Marktes erfüllen konnte. Als Basis hierfür dienen die Konsensschätzungen der Analysten. Wer kurz vor Veröffentlichung neuer Zahlen in die Aktie investiert, spekuliert damit auch auf positive Überraschungen. Meldet das Unternehmen dagegen Zahlen im Rahmen der Erwartungen hat dies zumeist keinen größeren Einfluss auf die Aktie, da diese Zahlen bereits im Kurs eingepreist sind. Eine Kursrallye vor einer Bekanntmachung kann Hinweise darauf liefern, dass die Erwartungshaltung gestiegen ist, was wiederum negative Überraschungen mit sich bringen kann. Gerät eine Aktie dagegen bereits vor der Veröffentlichung unter Druck, kann dies ein Signal für fehlendes Vertrauen sein, aber unter Umständen für den vorab positiv gestimmten Anleger auch Gewinnchancen bieten.

Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die neue Geschäftszahlen an der Börse häufig erregen, kann es an solchen Tagen zu einer stark erhöhten Volatilität (Schwankungsintensität) bei der Aktie kommen. Daher tendieren insbesondere US-Unternehmen dazu, Ihre Zahlen außerhalb der Handelszeiten zu veröffentlichen. Die nachbörslichen Bewegungen, die solche Veröffentlichungen auslösen, können für Anleger ein wichtiges Stimmungsbarometer für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen darstellen.