Unternehmensdaten
Unternehmensdaten sind die Parameter, mit deren Hilfe Unternehmen analysiert und eine Schätzung über die kurzfristigen und langfristigen Aktienkurse erfolgt. Hierbei lässt sich ein Unternehmen aus verschiedensten Blickwinkeln betrachten. Zu den Bewertungskriterien gehören:
- Die Art des Unternehmens
- Wachstumspläne
- Kompetenz der Unternehmensführung
- Tatsächliche Bilanzen des Unternehmens
Anlegern steht aber darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Parameter zur Bewertung eines Unternehmens und anschließender Investition zur Verfügung. Ein Beispiel ist die Konzentration auf Unternehmen mit einer langen Tradition der Dividendenausschüttung. Dies kann dann als Indikator dafür gesehen werden, dass ein Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich Gewinne für seine Eigner, in diesem Fall Aktionäre, erzielt hat.
Analysten ziehen einen Mix aus Methoden heran, um ihre künftigen Investitionen abzuwägen. Allerdings muss jeder Anleger hier aus einer breiten Palette von Techniken die für sich passende herausfiltern.
Die Top-Down Analyse
Eine weitverbreitete Methode zur Erkennung von Anlagemöglichkeiten ist die sogenannte Top-Down Herangehensweise, eine Analyse ausgehend vom „Makrolevel“ und von oben nach unten sozusagen. Hierbei betrachtet der Anleger zunächst, welche Aktienmärkte genau die beste Performance zeigen. Innerhalb dieser Branchen und Sektoren wird dann ermittelt, welche Unternehmen bestplatziert und den Herausforderungen am meisten gewachsen sind.
Anleger, die an ausländischen Märkten interessiert sind, beobachten zudem, welche globalen Volkswirtschaften und deren jeweilige Unternehmen gute Aussichten vermitteln. Im heute stark vernetzten weltweiten Wirtschaftsgeschehen sind viele Unternehmen international tätig oder agieren als wichtige Lieferanten für bestimmte Volkswirtschaften. Anleger können mit Hilfe dieser international tätigen Unternehmen Zugang zu den Weltmärkten erlangen. Oder aber man investiert direkt in internationale Aktien oder international geführte Fonds.
Die Top-Down Methode beginnt häufig mit der Bestimmung von Anlagefeldern, welche künftig den Markt antreiben könnten. Diese Themengebiete variieren je nach ausgewähltem Zeitraum. Beispielsweise kann langfristig gesehen die zunehmende Alterung der Gesellschaft in den westlichen Wirtschaften einem Anleger einen Ansatzpunkt dafür bieten, in die Branchen und Unternehmen zu investieren, die sich mit dieser Problematik befassen und Gewinnchancen versprechen.
Demgegenüber kann ein Ansatzpunkt für kurz- oder mittelfristiges Investieren die Annahme über konjunkturelles Wachstum sein. In einem solchen Fall wird ein Anleger sein Produktportfolio zugunsten Branchen, die in solchen Phasen traditionell zuerst vom Aufschwung profitieren, anpassen. Sobald diese Branchen ausgemacht sind, gilt es dann die leistungsstärksten Aktienwerte hieraus zu ermitteln.
Die Bottom-Up Analyse
Diese Methode ist umfassender und detaillierter aber dennoch eine gängige Herangehensweise. Hierbei bewerten Anleger Unternehmen nach deren Anlagequalitäten. Es werden die Wachstumsraten herangezogen, Unternehmenswerte (basierend auf dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)) oder aber auch Analysen über einen potentiellen Aufwärtstrend des Kurses erstellt. Die Bottom-Up Analyse ist somit eine Methode, die sich ausgehend vom „Mikrolevel“ zunächst mit einem Unternehmen und dessen Wertentwicklung befasst. Folgende Fragen stehen hierbei im Mittelpunkt: reflektiert der gegenwärtige Aktienkurs in angemessener Weise die starken künftigen Gewinnerwartungen? Ist der Kurs zu hoch in Anbetracht der anstehenden Risiken oder im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten?
Generell kommt es letztendlich auf eine ausgewogene Mischung bei der Anlage an, um nicht unverhältnismäßig stark von einem Marktbereich abhängig zu sein. Eine Grundregel der Top-Down-Methode besagt, ist, dass ein Abschwung innerhalb eines Sektors höchstwahrscheinlich negative Auswirkungen auf alle Unternehmen in dieser Branche nach sich zieht. Für den privaten Anleger bietet es sich daher an, Elemente aus beiden Tradingstrategien in seine Vorhaben zu integrieren.
Kennziffer-Analyse
Anleger bewerten ein Unternehmen anhand von zahlreichen Faktoren, wie zum Beispiel Profitabilität, Gewinnwachstum, Dividendenausschüttung und Risikobereitschaft. Kennziffern sind hierbei Formeln, welche Unternehmenszahlen zueinander ins Verhältnis setzen und somit Ansatzpunkte für eine Bewertung liefern. Ein wichtiger Parameter ist hierbei die Aktienrendite, welche den Gewinn pro Aktie eines Unternehmens darstellt. Somit lässt sich der Unternehmensgewinn ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs setzen. Darüber hinaus existiert die Dividendenrendite, welche die Dividendenhöhe pro Aktie bestimmt.
Zu den gebräuchlichsten und beliebtesten Kennziffern der Aktienanalyse überhaupt gehört das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es wird gelegentlich auch mit dem im angelsächsischen Raum gebräuchlichen Begriff Price-Earnings-Ratio (PER) bezeichnet. Diese Kennziffer sagt aus, wie viele Jahre lang das Ergebnis verdient werden muss, um den Aktienkurs zu rechtfertigen. Als Faustformel gilt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist eine Aktie bewertet.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) = (Aktienkurs )/((Ergebnis (Gewinn)je Aktie))
Im strengen Sinn stellt das KGV aber eine Vergleichskennziffer dar. Denn um zu beurteilen, ob eine Aktie auf Basis des KGVs teuer oder günstig bewertet ist, muss es mit dem KGV anderer Unternehmen aus der Branche (Sektor-KGV) oder dem kompletten Markt (Index-KGV) verglichen werden.
Zu beachten ist, dass die KGVs je nach Unternehmensbranche sehr differenzieren können. Ein Unternehmen aus einer Wachstumsbranche wie dem Internet liegt mit seinem KGV meisten über den Werten aus gesättigten Märkten wie dem Konsumsektor. Daher ist immer auch die jeweilige Branche zu berücksichtigen, will man feststellen, ob ein Wert teuer oder preiswert ist.
Verschuldungsgrad (in Prozent) = ((Fremdkapital x 100))/Gesamtkapital
Der Verschuldungsgrad berechnet sich aus dem Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital. Grundsätzlich gilt: Je höher der Verschuldungsgrad, umso abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern.
Cashflow (Kassenüberschuss): Der Cashflow ist der Gewinn einer Periode zuzüglich der Aufwendungen, die nicht zahlungswirksam wurden und abzüglich der Erträge, die zu keinen Einnahmen führten. Ziel des Cashflow ist es, Klarheit über die tatsächliche Ertragslage eines Unternehmens zu geben, da er sich an den tatsächlichen Zahlungen orientiert und dadurch kaum durch bewertungspolitische oder steuertaktischen Buchungen verfälscht werden kann.
Zinsdeckungsgrad (in Prozent) = ((Operativer Gewinn x 100))/Zinsaufwand
Der Zinsdeckungsgrad misst die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Zinszahlungen durch den operativen Gewinn zu begleichen.
Liquiditätskennziffern
Cash Ratio (Liquidität ersten Grades) = ((liquide Mittel x 100))/((kurzfristiges Fremdkapital))
Die Cash Ratio zeigt an, in welchem Umfang das Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort zu bezahlen.
Quick Ratio (Liquidität zweiten Grades) = (((liquide Mittel+kurzfr.verfügb.Guthaben)x 100))/((kurzfristiges Fremdkapital))
Die Quick Ratio zeigt an, welcher Anteil der heute vorhandenden kurzfristigen Verbindlichkeiten zwar nicht sofort, aber zumindest kurzfristig aus eigener Kraft beglichen werden kann.
Current Ratio (Liquidität dritten Grades) = ((Umlaufvermögen x 100) )/((kurzfristiges Fremdkapital) )
Die Current Ratio zeigt an, in welchem Umfang ein Unternehmen in der Lage ist, durch „Verflüssigung“ des Umlaufvermögens seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen.
Schlussbemerkung:
Bei der Bewertung von Aktien gilt es sowohl die Risiken wie auch Ertragschancen auszuloten. In einigen Fällen mag das inhärente Risiko (zum Beispiel die Volatilität bei den Gewinnen eines Unternehmens oder sein Verschuldungsgrad) einen Kauf nicht als angemessen genug erscheinen. In anderen Fällen hingegen kann das Risiko überschaubar wirken, aber dafür das Kurs-Gewinn-Verhältnis keine herausragenden Erfolge versprechen.
Unternehmensnachrichten und Veröffentlichungen
Die Aussichten für die Aktien in Ihrem Portfolio oder von denen, die Sie kaufen gedenken werden von volkswirtschaftlichen und brancheninternen oder unternehmensspezifischen Nachrichten beeinflusst. Als erster Schritt bieten sich die Veröffentlichungen eines Unternehmens selbst an. Darüber hinaus behalten Anleger die Berichterstattung für Nachrichten und Kommentare über Unternehmen im Auge.
Für die Fundamentalanalyse eines Unternehmens spielen die Bekanntmachungen über Umsätze und Gewinne die größte Rolle. Die meisten Unternehmen geben bis zu zweimal jährlich einen Geschäftsbericht heraus. Aber auch zu anderen Zeiten können Mitteilungen erfolgen, wenn ein Unternehmen seine Anteilseigner oder den Markt als Ganzes über Entscheidungen und Vorhaben informieren möchte. Diese Publikationen beeinflussen in der Regel den Aktienkurs, da die Marktteilnehmer die gewonnenen Erkenntnisse oftmals unmittelbar in ihr Tradingverhalten integrieren.
Der Geschäftsbericht eines Unternehmens interessiert die Aktieninhaber nicht nur aus Gründen der Profitabilität. Genauso bedeutsam ist, dass die Zahlen Anlegern zeigen, wie realistisch Ihre Markteinschätzung gewesen ist und ob die neu gewonnenen Erkenntnisse eine Anpassung der Tradingstrategie erfordern.
Die wichtigste Veröffentlichung ist der jährliche Geschäftsbericht. Er beinhaltet weit mehr als nur die Zahlen, die für die Märkte relevant sind. Hieraus erschließt sich auch die Strategie des Unternehmens und seine Pläne für die Zukunft wie zum Beispiel eine anstehende Expansion oder Schuldentilgung. Alle diese Faktoren helfen Ihnen als Anleger, zu bewerten, ob dieses Unternehmen eine wertvolle Investition für Sie darstellt oder welche Maßnahmen es ergreifen müsste, um für Ihr Produktportfolio attraktiv zu sein.
Für große Unternehmen besteht eine Fülle von Berichten und Analysen. Bei kleineren Unternehmen sind Sie verstärkt selbst bei der Recherche gefragt.
Das große Ganze:
Nicht immer reagieren die Aktienmärkte unmittelbar oder direkt auf ökonomische Veränderungen. Aber die volkswirtschaftlichen Gesamtaussichten geben Anlegern dennoch einen Maßstab zur Einschätzung der langfristigen Markttendenzen.
Ein wichtiger Aspekt, den es bei Aktien zu beachten gilt, ist, dass der Kurs jeweils die Erwartungen an die Kursentwicklung in Zukunft widerspiegelt und nicht die bereits vergangene Performance. Daher kommt es zuweilen vor, dass die Kurse nicht immer so reagieren, wie Sie es erwarten hätten, wenn neue Nachrichten bekannt werden.
Beispielsweise kann es vorkommen, dass die Wirtschaftsdaten eine starke Abnahme der Arbeitslosenzahlen verkünden, der Markt hingegen kaum hierauf reagiert – insbesondere, wenn diese Entwicklung ohnehin im Vorfeld absehbar war. Vielleicht haben Sie als Anleger darauf spekuliert, dass in diesem Zusammenhang das Konsumentenvertrauen steigen und die Kurse des Einzelhandels steigen würden. Aber womöglich hat der Markt dies ebenso seit Wochen erwartet und dementsprechend haben sich die Kurse der Einzelhändler bereits im Vorfeld weitestgehend angepasst. Dieses Prinzip wird zuweilen „Kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten!“ genannt. Diese Anleger kaufen vorab aus einer gewissen Erwartung heraus und verkaufen, wenn die Fakten tatsächlich eintreten.
Jeden Monat wird eine Vielzahl von Wirtschaftsdaten rund um den Globus veröffentlicht. Einige dieser Publikationen haben direkten Einfluss auf die unmittelbare Zukunft. Andere hingegen sind von größerer Relevanz bei der Bestimmung langfristiger Tendenzen innerhalb einer Volkswirtschaft. Je nachdem, ob Sie als Anleger kurz- oder langfristig orientiert sind, können diese Daten sich direkt auf Ihr Anlagedepot auswirken oder lediglich ein kleiner Hinweis auf die Entwicklung Ihres langfristig angelegten Portfolios sein.
Regelmäßige Veröffentlichungen wie Arbeitsmarktdaten, Wachstums- und Inflationsraten können sich alle auf den Aktienmarkt auswirken. Die größte Aufmerksamkeit dürfte jedoch bei den Entscheidungen bezüglich der Zinssätze liegen. Obwohl viele Anleger und Individuen generell Zinsen oftmals mit Hypotheken und Bausparverträgen in Verbindung bringen, spielen die Zinssätze doch auch eine große Rolle für Unternehmen und Ihr Kreditverhalten. Dies wiederum erlaubt Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens.
