Technische Indikatoren
Nutzen Anleger charttechnische Unterstützungen und Widerstände beim Trading als Signalgeber, lässt sich die Prognosesicherheit mitunter noch erhöhen, wenn technische Indikatoren bei der Analyse mit einbezogen werden. Die meisten Indikatoren geben Hinweise auf die Trendstärke und die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr. Diese Wendepunkte sind häufig Kauf- und Verkaufssignale.
Eine Auswahl der wichtigsten technischen Indikatoren:
Hinweis: Technische Indikatoren können die charttechnische Anlayse (sekundäre Signale) mit ihren Auffanglinien, Widerständen, Trends, Mustern (primäre Signale) unterstützen.
Der MACD: Moving Average Convergence Divergence
MACD-Konzept
Der Vorteil dieses Indikators besteht darin, dass er einige der bereits oben erklärten Prinzipien von Oszillatoren mit einigen Besonderheiten der zweifachen gleitenden Durchschnitte kombiniert.
MACD-Formel
Darstellung des MACD
Der MACD besteht zunächst aus zwei Linien, der MACD-Linie (weiß) und der Signallinie (rot). Die MACD-Linie ist die Differenz aus zwei exponentiellen gleitenden Durchschnitten (gewöhnlich mit den Perioden 12 und 26). Die langsamere Linie (Signallinie) ist gewöhnlich ein 9-Perioden-exponentiell-gleitender-Durchschnitt der MACD-Linie. Der Erfinder des MACD, Gerald Appel, empfiehlt ursprünglich unterschiedliche Periodeneinstellungen für Kauf- und Verkaufssignale. Die meisten Trader nutzen jedoch die Standardeinstellungen 12, 26 und 9 für alle Signale und Zeiträume.
Interpretation des MACD
Überschneidungen – Überschneidungen der MACD-Linie und der Signallinie ergeben Kauf- und Verkaufssignale. Die Fläche zwischen beiden Linien ist eingefärbt, um dies zu verdeutlichen. Wird die weiße Fläche nach dem Kreuzen der Linien rot, handelt es sich um ein bärisches Signal (Verkaufssignal). Analog, wechselt die Fläche zwischen MACD- und Signallinie die Farbe von rot auf weiß, ist das ein bullisches Signal (Kaufsignal).
Divergenzen – Divergenzen (Verlauf in verschiedene Richtungen) können zwischen dem Trend der MACD-Linien und der aktuellen Kursbewegung entstehen. Eine bärische Divergenz (Verkaufssignal) entsteht, wenn der aktuelle Kurs immer höhere Werte erreicht, während sich die MACD-Linie und die Signallinie abflachen oder anfangen zu fallen. Das ist häufig ein Warnhinweis für bevorstehende Gegenbewegungen. Eine bullische Divergenz (Kaufsignal) kann sich ausbilden, wenn der aktuelle Kurs tiefere Tiefs erreicht, während sich die MACD-Linien und die Signallinie bereits erholen und schließlich zu steigen beginnen. Das ist häufig ein Hinweis auf bevorstehende Bodenbildungen. Grafiken 8.2 und 8.3 zeigen, wie einfache Trendlinien genutzt werden können, um bevorstehende Trendveränderungen aufzuzeigen.
Dramatischer Anstieg – Steigt der MACD dramatisch an, bedeutet das, dass der kurzfristigere gleitende Durchschnitt sich weit vom längerfristigen gleitenden Durchschnitt entfernt hat. Das kann auf eine überkaufte Situation hindeuten und der Preis könnte auf ein „normales“ Niveau zurückfallen.
Schnitt der Null-Linie – Ein Über- oder Unterschreiten der Null-Linie bedeutet, dass der kurzfristige den langfristigen gleitenden Durchschnitt geschnitten hat. Verläuft der MACD oberhalb der Null-Linie, so liegt der kurzfristige gleitende Durchschnitt oberhalb des langfristigen, sodass Aufwärtsmomentum vorhanden ist. Das Gegenteil trifft zu, wenn der MACD unterhalb von Null verläuft. Ein überkaufter Zustand liegt vor, wenn die Linien sich sehr weit über die Null-Linie bewegen. Ein überverkaufter Zustand liegt vor, wenn die Linien sich sehr weit unter die Null-Linie bewegen. Hier erinnert der MACD in seiner Interpretation an einen Oszillator. Ein Über- oder Unterschreiten der Null-Linie generiert ein Kauf- beziehungsweise Verkaufssignal.
Momentum eines Trends – Die blaue und orangenen Flächen, die um die Null-Linie oszillieren, geben einen Hinweis auf die Stärke eines Auf- oder Abwärtstrends. Wird die blaue Fläche größer, deutet das auf einen sich beschleunigenden Aufwärtstrend hin, wird sie kleiner, deutet das auf einen sich verlangsamenden Aufwärtstrend hin, es besteht die Möglichkeit einer Umkehr. Eine wachsende orangene Fläche bedeutet, dass sich ein Abwärtstrend beschleunigt, während eine kleiner werdende orangene Fläche auf eine sich verlangsamende Abwärtsbewegung und eine mögliche Umkehr hinweist.

Grafik 8.1 – Der MACD-Indikator auf Stundenbasis

Grafik 8.2 – MACD auf Tagesbasis

Grafik 8.3 – MACD auf Wochenbasis
Der MACD kann, wie in den Grafiken 8.1 bis 8.3 zeigt, auf nahezu jeden Zeitraum angewandt werden.
Wann wird der MACD angewandt
Der MACD liefert bessere Signale in Trendmärkten. Schlechtere und Fehlsignale treten häufig in Seitwärtsmärkten auf.
Stochastik-Oszillatoren
Konzept der Stochastik
Die Stochastik macht sich die Idee zunutze, dass die Schlusskurse eines Aufwärtstrends eher in der Nähe der Höchstkurse der Periode liegen, während in einem Abwärtstrend die Schlusskurse eher in der Nähe der Tiefstkurse liegen.
Stochastik-Formel
Die Berechnung ist komplexer als die des RSI (aber die Interpretation nahezu gleich). Dabei wird das tiefste Tief der vergangenen (n) Tage vom heutigen Schlusskurs abgezogen und das Ergebnis durch die Differenz aus dem Höchstkurs der letzten (n) Tage minus dem tiefsten Tief der zurückliegenden (n) Tage. Mit 100 multipliziert ergibt sich eine Prozentzahl zwischen 0 und 100.
%K = 100 x (Cn-Ln)/(( Hn-Ln ))
Es gilt:
%K = George-Lane-Stochastik-Indikator
Cn = letzter Schlusskurs
Hn = höchster Höchstkurs der vergangenen (n) Tage
Ln = niedrigster Tiefstkurs der vergangenen (n) Tage
Hinweis: Üblicherweise ist n auf 14 Tage festgelegt, aber Sie können diesen Betrag jederzeit herauf oder heruntersetzen.
Darstellung der Stochastik
Der Stochastik-Indikator bewegt sich zwischen 0 und 100, ähnlich wie die Werte des RSI. Die Werte werden an einer vertikalen Prozentskala abgetragen. Der eigentliche Oszillator ist die so genannte %K-Linie. Sie befindet sich unterhalb des Preischarts in einem separaten Teilfenster. Horizontale Linien sind an der 30- und der 70-Prozent-Marke platziert. Beide Linien verdeutlichen, wann die Stochastik einen überverkauften oder überkauften Wert erreicht.
Interpretation der Stochastik
Der Bereich unterhalb von 30 wird als überverkaufter Bereich, der Bereich oberhalb der 70 als überkaufter Bereich bezeichnet. Beide Bereiche werden für Kauf- beziehungsweise Verkaufssignale genutzt.
Erreicht die Stochastik einen Wert innerhalb dieser Extremzonen, signalisiert das häufig (aber nicht immer) eine möglicherweise bevorstehende Bewegungsumkehr.
Kaufsignale werden generiert, wenn die Stochastik unter einen Wert von 30 Prozent fällt und anschließend die 30-Prozent-Linie von unten kreuzt. Analog entstehen Verkaufssignale, indem die Stochastik über einen Wert von 70 Prozent steigt und anschließend die 70-Prozent-Linie von oben kreuzt.
Hinweis: Es wird nicht verkauft, wenn die Stochastik zunächst überkaufte Werte erreicht, sondern erst, wenn der Extrembereich nach unten verlassen wird. Ähnliches gilt bei Kaufsignalen: Nicht das Erreichen der überverkauften Zone gilt als Kaufsignal, sondern das anschließende Auftauchen aus diesem Bereich.

Grafik 8.1 – Der Stochastik-Indikator
Wann wird die Stochastik angewandt
Wie auch der RSI sollte die Stochastik in schwach tendierenden Märkten oder Seitwärtsmärkten angewandt werden. In Trendmärkten muss mit häufigen Fehlsignalen gerechnet werden.
Der Relative-Stärke-Index (RSI)
Während gleitende Durchschnitte Trendfolge-Indikator sind, die die Richtung eines Trends anzeigen, misst der RSI die Geschwindigkeit und die Veränderungs-Dynamik eines Trends. Damit gehört er innerhalb der technischen Indikatoren zur Familie der Oszillatoren. Diese Indikatoren weisen zum einen auf extreme Preisübertreibungen hin, zum anderen auf eine mögliche Trendschwäche und somit auf wahrscheinlich bevorstehende Trendumkehren.
Im Fall des RSI wird die Trendstärke berechnet, indem die Veränderungen der Schlusskurse von einer Periode zur nächsten analysiert werden. Die Formel in der untenstehenden Box bezieht sich auf Tagescharts, kann aber für jeden anderen Zeitraum angepasst werden (5-Minuten, Stunden, etc.).
RSI-Formel:
RSI = 100/(100-z1+RS)
RS = (Durchschnitt von x Tageshöchstkurse)/(Durchschnitt
von x Tagestiefstkurse)
Hinweis: Üblicherweise ist x auf
14 Tage festgelegt, aber Sie
können diese Zahl herauf oder
heruntersetzen

Grafik 7.1 – Chartbeispiel mit dem RSI im unteren Teilfenster
Darstellung des RSI
Der RSI ist ein Indikator, dessen Werte zwischen 0 und 100 oszillieren. Üblicherweise wird er unterhalb des Kurscharts in einem separaten Fenster dargestellt, am rechten Rand befindet sich eine vertikale Prozentskala (siehe Grafik 7.1).
In Grafik 7.1 sind auch farbige horizontale Linien zu sehen, die sich an der 30- und 70-Prozent-Marke befinden. Diese Linien begrenzen den überverkauften (orangen) und den überkauften (blauen) Bereich.
Interpretation des RSI
Bei Werten unterhalb von 30 erreicht der RSI den überverkauften Bereich, bei Werten oberhalb von 70 erreicht er den überkauften Bereich. Verlässt der RSI den überverkauften Bereich, wird ein Kaufsignal generiert. Verlässt der RSI den überkauften Bereich, wird ein Verkaufssignal generiert.
Das Eintauchen des RSI in die Extremzonen deutet häufig (dies ist keine Regel) darauf hin, dass eine Umkehr in der Bewegungsrichtung möglicherweise bevorsteht.

Grafik 7.2 – Beispiel für ein RSI-Signal bei Bodenbildung
Hinweis: Es wird nicht verkauft, sobald der RSI einen überkauften Marktzustand signalisiert, sondern erst, wenn er den überkauften Bereich verlässt. Analog wird erst dann gekauft, wenn der RSI den überverkauften Bereich verlässt, nicht dann, wenn er in diesen eintaucht.
Wann wird der RSI angewandt
Der RSI weist in schwach tendierenden oder seitwärts laufenden Märkten die beste Signalqualität auf. In Trendmärkten muss mit häufigen Fehlsignalen gerechnet werden.
Gleitende Durchschnitte
Der einfache Gleitende Durchschnitt (Simple Moving Average – SMA)
Der sogenannte einfache gleitende Durchschnitt zählt zu den gebräuchlichsten technischen Indikatoren. Meist wird er auf Basis von Schlusskursen erstellt. So dienen bei einem einfachen gleitenden Durchschnitt über beispielsweise 30 Tage die Schlussstände der vergangenen 30 Tage als Berechnungsgrundlage eines Durchschnittswerts. Der Durchschnitt wird als „gleitend“ bezeichnet, weil mit jeder neuen Periode ein neuer Schlusskurs hinzukommt und der am weitesten entfernte aus der Berechnung herausfällt.
Steigt der aktuelle Schlusskurs über den SMA, deutet das auf tendenziell steigende Kurse hin. Fällt der aktuelle Schlusskurs unter den SMA, ist das häufig ein Verkaufssignal.
Gleitende Durchschnitte sind, wie viele Indikatoren, nachlaufende (Trendfolge-)Indikator. Kreuzt der aktuelle Kurs die Indikatorlinie, ist die Trendwende bereits vollzogen. Daher können gleitende Durchschnitte niemals einen Trend vom tiefsten bis zum höchsten Punkt erfassen. Allerdings haben sie den Vorteil, dass sie Preisschwankungen glätten und damit die Trendrichtung einer vorherrschenden Preisbewegung anzeigen können.
Je länger man die Berechnungsperiode des gleitenden Durchschnitts wählt, desto träger wird er in der Reaktionsgeschwindigkeit. Längerfristige gleitende Durchschnitte geben jedoch weniger Fehlsignale, weil sie kaum von außergewöhnlichen (heftigen) aktuellen Preisausschlägen über- oder unterschritten werden können. Dadurch zeigen sie Trendwechsel aber auch langsamer an.
Gleitende Durchschnitte zeigen ihre Vorteile am besten in starken (langfristigen) Trendmärkten. In Seitwärtsbewegungen oder trendlosen Phasen, produzieren sie viele Fehlsignale.

Grafik 6.1 – Beispiel für einen Chart mit einem einfachen gleitenden Durchschnitt und Kauf- und Verkaufssignalen
Zweifacher gleitender Durchschnitt (Double Moving Average – DMA)
Die Anwendung eines zweifachen gleitenden Durchschnitts wird auch als Doppel-Schnittpunkt-Methode bezeichnet. Hier wird anstelle des Überkreuzens von aktuellem Kurs und gleitendem Durchschnitt der Schnittpunkt eines „schnellen“ und eines „langsamen“ gleitenden Durchschnitts als Signalgeber genutzt. Diese Technik folgt der Preisbewegung mit noch größerer Verzögerung (und „verpasst“ damit theoretisch einen noch größeren Teil der Preisbewegung). Der Vorteil besteht jedoch darin, dass tendenziell weniger Fehlsignale durch zufällige Kursbewegungen produziert werden.
Ein Kaufsignal entsteht bei der DMA-Methode dann, wenn der „schnellere“ gleitende Durchschnitt (kürzere Periodeneinstellung, zum Beispiel ein 21 Perioden Gleitender Durchschnitt) den „langsameren“ gleitenden Durchschnitt (längere Periode, beispielsweise ein 55 Perioden Gleitender Durchschnitt) von unten nach oben schneidet. Entsprechend werden Verkaufssignale generiert, wenn der „schnellere“ gleitende Durchschnitt den „langsameren“ von oben nach unten schneidet. Die Technik ist in Grafik 6.2 dargestellt.

Grafik 6.2 – Chartbeispiel für zweifachen gleitenden Durchschnitt mit Kauf- und Verkaufssignalen
Dreifacher gleitender Durchschnitt (Triple Moving Average – TMA)
Der dreifache gleitende Durchschnitt kombiniert drei gleitende Durchschnitte. Übliche Kombinationen sind 5 – 15 – 30 oder 5 – 13 – 34 Tage. Die Bandbreite möglicher Kombinationen ist jedoch theoretisch unbegrenzt.
Die Interpretation der dreifachen gleitenden Durchschnitte
Theoretisch sollte eine Long-Position im Markt nur dann gehalten oder aufgebaut werden, wenn der kürzeste der drei gleitenden Durchschnitte über dem zweiten und dieser wiederum über dem längsten Gleitenden Durchschnitt verläuft. Bei einer Kombination 5 – 15 – 30 müsste also der 5-Tage-SMA über dem 15-Tage-SMA verlaufen und dieser wiederum oberhalb des 30-Tage-SMA.
Entsprechend sollte eine Short-Position nur dann gehalten oder aufgebaut werden, wenn der schnellste der drei gleitenden Durchschnitte unter dem zweiten und dieser wiederum unter dem längsten gleitenden Durchschnitt verläuft. Bei einer Kombination 5 – 15 – 30 müsste also der 5-Tage-Durchschnitt unter dem 15-Tage-Durchschnitt liegen und dieser wiederum unter dem 30-Tage-Durchschnitt, wie in Grafik 6.3 gezeigt.

Grafik 6.3 – Chartbeispiel für einen dreifachen gleitenden Durchschnitt mit Kauf- und Verkaufssignalen
Die Besonderheit eines TMA-Handelssystems: Im Unterschied zu den ersten beiden Modellen hält der Trader unter bestimmten Bedingungen keinerlei Position – er ist damit auch keinem Marktrisiko ausgesetzt. Dies passiert, wenn weder die Bedingungen für eine Long-Position, noch für eine Short-Position erfüllt sind. Anleger, die einen eigenen Trading-Plan entwickeln, sollten auch dieses Szenario bei ihren Überlegungen mit einbeziehen.

