Unterstützungen und Widerstände

Trenderkennung - Schlüssel zu profitablem Trading


Trenderkennung ist ein Schlüsselfaktor für jede erfolgreiche Tradingstrategie. Viele Investment-Ansätze versuchen, von Trends zu profitieren. Die Idee besteht darin, in einen Markt einzusteigen, wenn ein neuer Trend beginnt und die Position geöffnet zu halten, solange es keine Anzeichen für eine Trendwende gibt. Technische Analysten nutzen hierfür eine Reihe von Werkzeugen. Dabei kann es sich um Instrumente handeln, die bei der Bestimmung eines Trends behilflich sind oder die darüber Aufschluss geben, ob und wann ein Trend zu Ende geht. Zu diesen Instrumenten gehören Kursmuster, Indikatoren oder Trendlinien.

Was genau ist ein Trend?

Vereinfacht ausgedrückt gibt ein Trend darüber Auskunft, in welche Richtung sich ein Kurs im Zeitverlauf tendenziell bewegt. Für die technische Analyse ist diese Erklärung jedoch nicht ausreichend. Ihr Ziel ist es, auf Basis der Kursbewegungen der Vergangenheit Schlüsse für die weitere Kursentwicklung zu ziehen.

Aufwärtstrend

Ein Aufwärtstrend ist aus Sicht der technischen Analyse eine Abfolge von immer höheren Kurshochs und immer höher angesiedelten Zwischentiefs (Korrekturen im Aufwärtstrend). Ein Aufwärtstrend gilt als intakt, solange der aktuelle Preisrücksetzer jeweils auf höherem Niveau zum Stehen kommt als beim vorangegangenen Rücksetzer (siehe Abbildung 3.1 und 3.2).

Bild 3.1 - Hochs und Tiefs in einem Aufwärtstrend

Bild 3.2 - Hochs und Tiefs in einem Abwärtstrend

Abwärtstrend

Ein Abwärtstrend ist eine Abfolge von immer neuen Tiefständen begleitet von immer tiefer gelegenen Zwischenhochs. Abbildung 3.3 zeigt einen intakten Abwärtstrend.

Bild 3.3 - Ein intakter Aufwärtstrend

Trendwechsel

Trends setzen sich nicht endlos fort, sondern erreichen Wendepunkte. Die technische Analyse versucht mit unterschiedlichen Ansätzen zu erkennen, ob und wann sich ein Trendwechsel andeutet. Der Chart in Abbildung 3.4 zeigt einen Abwärtstrend und einen Aufwärtstrend in Folge.

Bild 3.4 – Abwärtstrend mit Umkehr und nachfolgendem Aufwärtstrend

Widerstand und Unterstützung

Die Tief- und Hochpunkte von Trends werden auch als Widerstands- bzw. Unterstützungsniveaus bezeichnet. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der technischen Analyse,diese Niveaus aufzuzeigen und deren Stärke einzuschätzen.

Unterstützung

Eine Unterstützung zeigt im Chart eine Preiszone unterhalb des gegenwärtigen Marktpreises, an der eine Abwärtsbewegung aufgrund neu einsetzendes Kaufinteresses ins Stoppen kommen könnte und die Kurse wieder nach oben drehen.

Widerstand

Ein Widerstand ist das Gegenteil einer Unterstützung. Es handelt sich um ein Preisniveau oberhalb des gegenwärtigen Marktpreises, wo eine Aufwärtsbewegung zum Erliegen kommen könnte und der Kurs aufgrund eines zunehmenden Verkaufsdrucks wieder nach unten dreht.

Unterstützungen und Widerstände sind keine punktgenauen Indikatoren. Lediglich im Bereich solcher Zonen sind Trendwechsel möglich.

Bild 4.1 – Unterstützung und Widerstand in einem Aufwärtstrend

Bild 4.2 – Unterstützung und Widerstand in einem Abwärtstrend

Praktische Regeln zum Erkennen von Unterstützungen und Widerständen

Unterstützungen und Widerstände können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Doch wann ist eine Unterstützung oder ein Widerstand signifikant? Um das einzuschätzen, gibt es in der Charttechnik eine Reihe von Anhaltspunkten.

Zeitlich getestet — wurde ein Kursniveau im Zeitverlauf bereits mehrmals getestet gilt das als ein wichtiger Hinweis für eine hohe Relevanz einer Unterstützung oder eines Widerstands. So würden Händler beispielsweise nicht in ein Tief hinein verkaufen, wenn sich dies in der Vergangenheit als unvorteilhaft erwiesen hat.

Gehandeltes Volumen — Hohe Handelsvolumen in Unterstützungs- und Widerstandszonen lassen ebenfalls auf eine starke Ausprägung schließen.

Handel in jüngster Vergangenheit — Neu markierte Unterstützungen und Widerstände haben tendenziell eine höhere Bedeutung als ältere.

Runde Zahlen — Runde Zahlen, zum Beispiel eine Tausender-Marke bei einem Index, gelten vor allem aus psychologischen Gründen als Unterstützungs- und Widerstandsbereiche.

Einige Beispiele für Unterstützung und Widerstand sind in Bild 4.3 zu sehen.

Bild 4.3 – Unterstützungs- und Widerstandsniveaus

Trading Strategien, die Unterstützung und Widerstand nutzen

Am nützlichsten sind Unterstützungen und Widerstände für das Eröffnen und Schließen von Positionen in Verbindung mit einem effizienten Risikomanagement.

Einige praktische Möglichkeiten sind:

Bei einem Bruch werden aus Unterstützungen Widerstände – und umgekehrt Diese Wirkungsweise ist ein Schlüsselaspekt bei der Identifikation von Unterstützungen und Widerständen: Ist eine Zone einmal gebrochen (egal ob Unterstützung oder Widerstand), verwandelt sie sich technisch gesehen in ihr Gegenteil. Dies bedeutet, dass eine gebrochene Unterstützung zu einem Widerstand und ein gebrochener Widerstand zu einer Unterstützung wird. Abbildung 4.4 verdeutlicht diesen Zusammenhang.

Bild 4.4 – Widerstandsniveau wird zur Unterstützung

Technische Analyse in Seitwärtsmärkten

Bild 5.1 – Beispiel für einen Seitwärtsmarkt

Der erste Schritt besteht darin, die Unterstützungs- und Widerstandszonen zu identifizieren, zwischen denen der Kurs verläuft. Die Unterstützungen markieren dabei die untere Linie des Korridors, die Widerstände stellen dessen obere Begrenzung dar.

Ist der Kurskorridor definiert, werden Kaufaufträge sorgfältig an oder leicht über der Unterstützungslinie beziehungsweise Verkaufsaufträge an oder leicht unter der Widerstandslinie platziert.

Ist das erledigt, werden Stop-Loss-Aufträge für die Kauf- und Verkaufsaufträge platziert.

Ein Beispiel:

Bild 5.2
Abbildung 5.2 zeigt ein einfaches Beispiel eines Handelsplans mit einem geplanten limitierten Risiko und einem kalkulierten Gewinn. Es gibt zwei mögliche Szenarien, die bei dieser Strategie denkbar sind.

Ideal-Szenario (siehe Abbildung 5.3). Eine Short-Position (Verkauf) wurde an der Oberseite des Seitwärtskorridors eröffnet, nahe dem Hoch (Widerstandsniveau) und mit einem Stop-Loss knapp oberhalb des Widerstandsniveaus.

Nachdem die Short-Position eröffnet wurde, fällt der Kurs zurück bis auf die untere Begrenzung der Zone und der Gewinnmitnahme-Auftrag (nahe der Unterstützung) wird ausgelöst, so dass die Position mit einem Gewinn geschlossen wird.

Negativ-Szenario (Abbildung 5.4). Wie zuvor wurde eine Short-Position (Verkauf) an der Oberseite der Seitwärtszone eröffnet nahe dem Hoch (Widerstandsniveau), mit einem Stop-Loss knapp oberhalb des Widerstandes. Allerdings steigt der Kurs jetzt an und durchbricht die ober Widerstandslinie. Dabei wird der Stop-Loss-Auftrag ausgelöst und die Position wird mit einem (limitierten) Verlust glattgestellt.

Hinweis: Das Beispiel dient nur der Veranschaulichung und ist deshalb sehr einfach gehalten. Es stellt nur einen Teil eines möglichen Handelsplans dar.

Bild 5.3 – Ideal-Szenario: Nach Eröffnung der Short-Position fallen die Kurse und die Position kann mit Gewinn glattgestellt werden.

Bild 5.4 –Negativ Szenario: Nach Eröffnung der Short-Position steigt der Kurs über die Widerstandlinie hinaus. Der Stop-Loss-Auftrag wird ausgelöst und die Position mit (limierten Verlust) verkauft.

Zusammenfassung: Die im obigen Beispiel dargestellte Handelsidee basiert auf:

  1. der Identifikation von Unterstützung und Widerstand
  1. der Anwendung von Kauf- und Verkaufsaufträgen
  1. der Anwendung von Stop-Loss-Aufträgen, um Risiken zu begrenzen und Gewinne zu sichern.

Wie eine solche Strategie in der Praxis aussehen kann, zeigt folgendes Beispiel:

Entwickeln eines Planes:

In diesem Beispiel wurde eine Unterstützung gebrochen, wobei der Kurs zunächst deutlich darunter gefallen ist. Im weiteren Verlauf erholt er aber sich wieder bis an die alte Unterstützung heran, die nun eine Widerstandszone darstellt.

Es gibt nun zwei mögliche Handelsansätze. Der erste ist ein Leerverkauf (Short-Position) kurz unter dem Widerstand (ehemalige Unterstützung) mit einem Stop-Loss leicht oberhalb des Widerstandes. In diesem setzt der Anleger darauf, dass der Widerstand hält und der Kurs wieder nach unten drehen wird. Beim zweiten Ansatz spekuliert der Anleger dagegen darauf, dass der Widerstand nach oben durchbrochen wird und der Kurs weiter zulegt. Umsetzen lässt sich diese Erwartung mit einer Kauforder oberhalb des (durchbrochenen) Widerstands und einem Stop-Loss knapp unter der Widerstandslinie.

Bild 5.5 – Erste Möglichkeit: Eröffnung einer Short-Position unterhalb des alten Unterstützungsniveaus mit einem Stop-Loss knapp darüber.

Umkehrformationen

Doppel-Top (M-Formation)

Bei einem Doppel-Top handelt es sich um zwei voneinander zeitlich getrennte Tests des Widerstandsniveaus, gefolgt von einem starken Preisverfall zurück auf das Unterstützungsniveau, welches danach bricht. Ein Doppel-Top (auch: Doppelspitze oder M-Formation) stellt somit eine Umkehrformation dar, die häufig am Ende eines Aufwärtstrends entsteht.

Eine Variante des Doppel-Top ist das Dreifach-Top . In diesem Fall wird die Widerstandslinie dreimal getestet. Erst dannfolgt der Preisrutsch und der Bruch der Unterstützung.

Bild 5.6 – Das Doppel-Top

Doppelter Boden (W-Formation)
Bei einem Doppelten Boden handelt es sich um zwei voneinander zeitlich getrennte Tests einer Unterstützungszone, gefolgt von einem starken Preisanstieg (Trendumkehr)

Bild 5.8 – Ein Doppelboden