Wirtschaftsdaten
Zahlen, die den Markt bewegen
Nahezu jeden Tag werden ökonomische Daten veröffentlicht, die Einfluss auf eine offene Positionen haben könnten. Gewöhnlich geben diese Veröffentlichungen Einblicke in den wirtschaftlichen Zustand eines bestimmten Landes. Sie können weitreichende Auswirkungen haben, wenn sie wichtige Wirtschaftsräume wie die USA oder die Eurozone betreffen.
Die Art der Wirtschaftsdaten ähneln sich weltweit. Im Fokus des globalen Interesses stehen aber nach wie vor konjunkturelle Kennzahlen aus den USA. Die US-Daten haben oft spürbare Auswirkungen auf die internationalen Devisen-, Aktien-, Rohstoff- und Anleihenmärkte.
Zu beachten gilt: Signifikante Marktbewegungen entstehen häufig, wenn Zahlen veröffentlicht werden, die von den allgemeinen Schätzungen stark abweichen. Für die meisten wirtschaftlichen Daten werden vorab von Ökonomen und/oder Investmentbanken Schätzungen und Erwartungen veröffentlicht (Flüster-Schätzungen, Whispered Numbers). Weichen Expertenschätzungen von den tatsächlichen Zahlen ab, kann es zu starken Kursausschlägen kommen.
Wichtige US-Statistiken, die den Devisenmarkt beeinflussen können:
Die wichtigsten US-Statistiken, die die Zinssätze und damit die Bewertungen und Erwartungen für den US-Dollar, direkt beeinflussen, sind:
Andere Veröffentlichungen
Es gibt eine Reihe anderer weniger wichtiger Daten zusätzlich zu den oben genannten. Diese werden fortlaufend veröffentlicht und sollen ebenso verfolgt werden, um eine möglichst vollständiges Bild vom Zustand der US-Wirtschaft zu erhalten.
Auch in anderen großen Volkswirtschaften wie Großbritannien, Japan oder Deutschland werden wichtige Wirtschaftsstatistiken veröffentlicht. Zum Beispiel der Tankan-Report über die wirtschaftlichen Aktivitäten in Japan oder das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland.
Aktuelle Leistungsbilanz
Veröffentlicht vierteljährlich, ca. 30 Tage nach Quartalsende, 14.30 Uhr WEZ
Umfassende Kenngröße für die amerikanischen Wirtschaftsaktivitäten mit dem Ausland. Die Leistungsbilanz beziffert den Austausch von Waren und Dienstleistungen der USA mit dem Ausland. Zudem umfasst sie auch Kapitalimporte und Kapitalexporte. Die Leistungsbilanz setzt sich aus der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz und der Übertragungsbilanz zusammen. Ein positiver Wert (Leistungsbilanzüberschuss) bedeutet, das die USA mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert haben als importiert. Die USA hat damit auch Kapitaleinnahmen. Der umgekehrte Fall (Leistungsbilanzdefizit) zeigt, wenn ein Land über seine Verhältnisse lebt und mehr (Importe) konsumiert als es durch seine Verkäufe ins Ausland erwirtschaftet. Ein solches Leistungsbilanzdefizit muss in der Regel durch das Ausland finanziert werden (Kapitalimporte). Da durch ein Leistungsbilanzdefizit theoretisch Dollars auf den Markt drängen – die Einkäufe der Amerikaner im Ausland – kann das negative Auswirkungen auf die heimische Währung haben. Allerdings können diese Effekte dadurch überlagert werden, da der Dollar Weltreservewährung ist und viele Ausländer (Chinesen, Japaner) ihr Kapital (Exporterlöse) in US-Staatsanleihen investieren.
Handelsbilanz
Veröffentlicht etwa 40 Tage nach Monatsende, 14.30 Uhr WEZ
Die Statistik ermittelt die Differenz zwischen den amerikanischen Exporten und Importen von Waren. Eine positive Bilanz wird als Handelsüberschuss bezeichnet und entsteht, wenn mehr Waren exportiert als importiert werden. Eine negative Bilanz wird als Handelsbilanzdefizit bezeichnet. Handel und Währungstransaktionen sind direkt verbunden, denn die Amerikaner geben dem Handelspartner für die in die USA importierten Waren US-Dollars, die dieser wieder in seine heimische Währung tauscht, wodurch dann das Dollar-Angebot steigt. Tendenziell kann ein Handelsbilanzdefizit somit auf längere Sicht eine Schwächung der heimischen Währung bedeuten. Allerdings wird dieser Effekt gerade beim US-Dollar, als Weltreservewährung, von anderen Effekten häufig überlagert.
Verbraucherpreisindex (CPI)
Veröffentlicht monatlich, ca. 15 Tage nach Monatsende, 14.30 Uhr WEZ
Er misst die Durchschnittspreise eines Warenkorbes von Verbrauchsgüter und Dienstleistungen, etwa Transport, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. Der CPI wird berechnet, indem Preisveränderungen für jeden Bestandteil des vorgegebenen Warenkorbes ermittelt werden. Hiervon wird der Durchschnitt ermittelt und die Waren entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet. Der CPI gilt als gängige monatliche Kenngröße, um die Inflation in der US-Wirtschaft zu ermitteln. Die Nahrungsmittel- und Energiepreise werden für das letzte Quartal in den CPI eingerechnet, sie sind tendenziell sehr volatil und können den übergeordneten Trend beeinflussen. Das Offenmarktkomitee der Notenbank (FOMC) beachtet daher besonders stark die „Kernrate“ (dabei werden Nahrungsmittel und Energie aus der CPI-Zahl herausgerechnet) – auch viele Marktteilnehmer gehen so vor. Ein schneller Anstieg der CPI-Werte kann Inflationsängste hervorrufen, da steigende Preise die Zentralbank veranlassen könnte, die Zinssätze anzuheben. Steigende Zinssätze erhöhen gewöhnlich den Wert der nationalen Währung, sie können aber kurzfristig negative Folgen für den Aktienmarkt haben. Investoren könnten es vorziehen, ihr Geld bei geringerem Risiko zinsbringend auf dem Geldmarkt anzulegen.
Produzentenpreisindex (PPI)
Veröffentlicht monatlich, ca. 17 Tage nach Monatsende, 14.30 Uhr WEZ
Der Index misst Preisveränderungen bei industriell gefertigten Waren. Analysten konzentrieren sich auf die PPI-Kerninflation – die Preisveränderungsrate für Fabrikwaren, exklusive Nahrungsmittel und Energiepreise (da die Preise dieser beiden Gruppen tendenziell starke Ausschläge aufweisen). Der PPI ist ein reiner Warenindex und umfasst nicht die Kosten für Transport, Großhandel und Einzelhandel. Er misst auch nicht die Kosten des Dienstleistungssektors. Der PPI hat tendenziell einen größeren Einfluss, wenn er vor den CPI-Daten veröffentlicht wird, denn beide Indizes korrelieren stark. Er ist ein Frühindikator für Verbraucherpreis-Inflation: Wenn Produzenten mehr für ihre Waren und Dienstleistungen in Rechnung stellen, werden diese höheren Kosten gewöhnlich an die Kunden weitergereicht. Ein schneller Anstieg des PPI wird als inflationär betrachtet und kann die Anleihenpreise und langfristigen Zinssätze unter Druck bringen. Der Einfluss auf den US-Dollar und Aktien ist nicht eindeutig und muss in Verbindung mit anderen Datenveröffentlichungen betrachtet werden.
Anzahl Beschäftigte ohne Agrarsektor
Veröffentlicht monatlich, gewöhnlich am ersten Freitag nach Monatsende, 14.30 Uhr MEZ
Monatlicher statistischer Überblick über die Beschäftigungsentwicklung in den USA (ohne Landwirtschaft). Die US-Arbeitsmarktdaten sind weltweit eine der am meisten beachteten Wirtschaftsstatistiken. Der Bericht zeigt die Gesamtzahl bezahlter Mitarbeiter in den USA an. Ausgeschlossen sind folgende Beschäftigten:
- allgemeine Regierungsmitarbeiter
- Private Haushaltsangestellte
- Angestellte von gemeinnützigen Organisationen, die Hilfe für Einzelindividuen leisten
- landwirtschaftliche Beschäftigte
Damit umfasst der monatliche Beschäftigungsbericht etwa 80 Prozent aller Beschäftigten, die zum Bruttoinlandsprodukt in den USA beitragen. Stellenzuwächse sind ein Frühindikator für den privaten Konsum, der einen Großteil der wirtschaftlichen Aktivität in den USA darstellt. Die Statistik wird monatlich am ersten Freitag des Monats für den Vormonat veröffentlicht, sie soll den Regierungspolitikern und Ökonomen helfen, den derzeitigen Zustand der Wirtschaft einzuschätzen und die zukünftige Wirtschaftsaktivität zu prognostizieren. Ist die Beschäftigung hoch, werden üblicherweise die Zinssätze und der Dollar steigen. Sind die Zahlen schwach, sollten die Zinssätze und der Dollar üblicherweise fallen. Ein starker Arbeitsmarktbericht kann dem Aktienmarkt Schwung geben, wenn er eine wirtschaftliche Erholung signalisiert. Dieses Ereignis sollten Sie in Ihren Monatskalender eintragen.
Arbeitslosmeldungen
Veröffentlicht wöchentlich, fünf Tage nach dem Wochenende, 14.30 Uhr WEZ
Anzahl der Menschen, die in der vergangenen Woche in den USA erstmalig Arbeitslosenhilfe beantragt haben. Es ist die aktuellste Wirtschaftszahl in den USA. Ihr Marktbedeutung schwankt von Woche zu Woche. Der Einfluss ist tendenziell höher, wenn Marktteilnehmer aktuelle Entwicklungen einschätzen möchten oder wenn die Werte Extreme erreichen. Obwohl es ein nachlaufender Indikator ist (veröffentlicht fünf Tage nach dem Wochenende), ist die Zahl der Arbeitslosen ein wichtiges Signal für die Gesamtsituation in der Wirtschaft, denn die Verbraucherausgaben hängen sehr stark mit den Arbeitsmarktbedingungen zusammen. Wenn die Zahl der Arbeitslosen steigt, kann das einen schwächeren Aktienmarkt und/oder nachgebenden US-Dollar bedeuten.
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Veröffentlicht vierteljährlich, etwa 30 Tage nach Quartalsende, 14.30 Uhr WEZ
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist einer der Primärindikatoren, um den Zustand einer nationalen Wirtschaft zu messen. Es umfasst den (Dollar-)wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Landes während eines bestimmten Zeitraums erwirtschaftet. Das BIP wird als Vergleichszahl zum Vorquartal oder Vorjahr veröffentlicht. Ein Anstieg des BIP von beispielsweise drei Prozent bedeutet zugleich auch eine wirtschaftliche Expansion in dieser Größenordnung.
Die Produktion von Waren und Dienstleistungen hat Einfluss auf nahezu alle Bereiche einer Volkswirtschaft. Floriert die Konjunktur, sinkt in der Regel auch die Arbeitslosigkeit, die Einkommen steigen, es wird mehr konsumiert, wodurch wiederum die Unternehmensgewinne höher ausfallen können. Signifikante Veränderungen des BIP haben gewöhnlich starken Einfluss auf den Aktienmarkt und/oder die nationale Währung.
Einzelhandelsumsätze
Veröffentlicht monatlich, etwa 14 Tage nach Monatsende, 14.30 Uhr WEZ
Summe aller Verkäufe von lang- und kurzfristigen Konsumgütern an Endverbraucher. Dienstleistungen sind in dieser Statistik nicht enthalten. Einzelhandelsverkäufe haben während der Vorweihnachtszeit eine besondere Bedeutung, da hier ein Großteil der jährlichen Umsätze generiert wird. Die monatlichen Veränderungen sind oft erratisch und Daten werden häufig revidiert. Ungeachtet dessen sind starke Einzelhandelsverkäufe für Aktien und den US-Dollar meist gute Nachrichten – und umgekehrt.
Industrieproduktion
Veröffentlicht monatlich, etwa 16 Tage nach Monatsende, 15.15 Uhr WEZ
Zeigt die Veränderung der Produktion im Industriesektor an. Der Industriebereich umfasst Fertigung, Förderung und Versorger. Obwohl diese Sektoren nur einen kleinen Teil zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen, reagieren sie sehr empfindlich auf Zinsänderungen und Verbrauchernachfrage. Somit ist die Industrieproduktion wichtig für die Prognosen des BIP. Die Zahlen zur Industrieproduktion werden auch von den Zentralbanken genutzt, um Inflationsgefahren zu erkennen. Ein beschleunigtes Wachstum der Industrieproduktion kann tendenziell positiv für den US-Dollar sein und kann zu steigenden Leitzinsen führen.
Einkaufsmanagerindex (PMI)
Veröffentlicht monatlich, erster Arbeitstag nach Monatsende, 16.00 Uhr WEZ
Der PMI ist ein Index, basierend auf einer Umfrage unter Einkaufsmanagern von Unternehmen (aus den Bereichen Bau, Dienstleistungen und Fertigung) zum Zustand ihrer Branche. Der PMI ist ein wichtiges Stimmungsbarometer, nicht nur für die industrielle Produktion, sondern für die Wirtschaft als Ganzes. Obwohl die Bedeutung der Industrie für die amerikanische Volkswirtschaft gesunken ist, gilt sie doch nach wie vor als guter Indikator für den Beginn oder das Ende einer Rezession. Aus diesem Grunde wird der PMI genau verfolgt, er gibt häufig die Richtung für die weiteren Veröffentlichungen des Monats vor.
Die wichtige Marke des PMI ist 50. Ein Wert von 50 oder mehr signalisiert, dass die Industrie expandiert. Nimmt die wirtschaftliche Aktivität im Industriebereich zu, sollte dies auch positive Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben. Deshalb wird der PMI als guter Indikator für zukünftige BIP-Entwicklungen betrachtet. Viele Ökonomen passen ihre BIP-Schätzungen nach der Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindex an. Eine andere wichtige Zahl ist in diesem Zusammenhang die 42. Ein Indexniveau über 42 Prozent über längere Zeit (Monate und Jahre) ist ein Indiz für ökonomisches Wachstum (Wachstum des BIP). Die verschiedenen Stufen zwischen 42 und 40 sagen etwas über die Stärke der wirtschaftlichen Expansion aus. Fällt der Wert unter 42 Prozent, könnte eine Rezession drohen. Der Index wird so berechnet, dass ein Wert von mehr als 50 bedeutet, dass die Einkaufsmanager verbessernde Produktionsbedingungen erwarten. Die Werte des PMI sollten steigen, solange die Konsumausgaben moderat steigen. Ein sich beschleunigender Produktionsausstoß führt zu höherer Kapazitätsauslastung, damit tendenziell zu höheren Produzentenpreisen. Ein PMI deutlich über 50 könnte Zinsen und US-Doller steigen lassen.
Andere Veröffentlichungen
Es gibt eine Reihe anderer weniger wichtiger Daten zusätzlich zu den oben genannten. Diese werden fortlaufend veröffentlicht und sollen ebenso verfolgt werden, um eine möglichst vollständiges Bild vom Zustand der US-Wirtschaft zu erhalten.
Auch in anderen großen Volkswirtschaften wie Großbritannien, Japan oder Deutschland werden wichtige Wirtschaftsstatistiken veröffentlicht. Zum Beispiel der Tankan-Report über die wirtschaftlichen Aktivitäten in Japan oder das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland.

